11
Sep
2005

Genetiv auf die Rote Liste

Ich höre häufig am Samstag Nachmittag die Bundesliga-Konferenz der ARD. Auch gestern wieder. Da fiel mir mal wieder auf, wie gefährdet unser guter alter Genetiv (oder Genitiv) ist, der - wie wir damals in der Schule gelernt haben - Wes-Fall.

Der Moderator im Studio leitete zum Spiel der Münchner gegen die Nürnberger über und meinte, er wolle wissen, was denn "im Stadion des Club" laufe. Nein, es war kein Versprecher, denn beim nächsten Mal sagte er, nun gehen wir "zum Spiel des Club".

Die Moderatoren von Hörfunksendungen scheinen besonders anfällig für den Verlust des Genetivs zu sein. Da höre ich gerade InfoRadio Berlin-Brandenburg. Moderator Stephan Ozsváth sinniert übers Wetter: "Was da draußen in der Natur passiert, kann man getrost als Vorboten des Herbst ansehen."

Der Genetiv müsste auf die Rote Liste der gefährdeten Arten gesetzt werden. Besonders gefährdet ist er durch die, die eigentlich die Hüter der Sprache sein müssten, den Journalisten.

Vor einiger Zeit - es ist wohl etwa ein Jahr her - wurde ich ganz blass, als die Redaktion des Tagesspiegels ihr eigenes Medium des Genetivs beraubte und nur noch von der "Redaktion des Tagesspiegel" sprach. Im Deutschlandfunk wurde vermeldet "nach Angaben des Pentagon". Und Jan Hofer schlug am 25.9.05 in der Tagesschau dem Fass die Krone ins Gesicht, als er Nochkanzler Schröder mit den Worten zitiert, "das sei seine Auslegung des Wahlergebnis".

Beim Tagesspiegel habe ich inzwischen eine leichte Besserung festgestellt. Aber wie die Funkkommentatoren und viele andere zeigen, ist das Problem noch nicht bewältigt.

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ksch - 12. Sep, 14:08

Genitiv und mehr

..."am Ende diesen Jahres"
Manche Politiker, aber allen voran Journalisten lassen dieses Bonbon der deutschen Sprache immer wieder auf die Massen fallen. Sie begannen vor ca. 5 Jahren damit, die offensichtlich schwieriger zu formulierende Aussage 'AM ENDE DIESES JAHRES' durch eine vermeintlich höherwertige Wendung zu verbauen. Immerhin, sie mag manchem schon geläufig sein, diese abgefälschte Genitivkonstruktion, aber eines ist sicher: Bei denen, die in den Nachkriegsjahren die Schulen besuchten, müssen Fragezeichen auftauchen, warum der Deklamierende dies tut. Man ist wieder hellwach. Nun unterzieht man alles, was da inhaltlich sonst noch rüberkommen sollte, einer schonungslosen Kritik. ...Schade, der auch - warum nur?

Da fällt mir gerade ein, daß die Kultusministerkonferenz noch immer nach vereinfachenden Wendungen zur Überarbeitung der Grundlagen der deutschen Sprache sucht. Wir sollten sie aufmerksam machen, vielleicht wird die Floskel veredelt. Am Geld dürfte es ja nicht scheitern.

klaus Alfred - 12. Sep, 15:56

Genetiv (oder Genitiv)

Ja, auch ein schönes Beispiel für das Aussterben des Genetivs. Mit ihm leben ja auch in anderer Hinsicht die Leute auf dem Kriegsfuß. Wenn ich da zum Beispiel an den (angel)sächsischen Genetiv denke. Mein Stammlokal nannte sich "Charlottenburg`s älteste Kneipe", bis ich mal Holger, den Wirt, drauf aufmerksam machte. Ich denke, man muss sich rühren, um den Niedergang der deutschen Sprache aufzuhalten.
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